Die Bibel
Kostproben
Bedeutung
Inhalt
Geschichte
Wirkungen
Stimmen zur Bibel
deutsche Übersetzungen
Literatur zur Bibel
Sprachen der Welt
Sprachen in der Bibliothek
Bibellesen
Interpretationsmöglichkeiten
Downloads
zur Bibel I Bibeln I Bibelquiz I Bibeltext
sitemap

GeschichtsbücherSpätschriftenNeues Testament

I Hiob I Psalter I Sprüche I Prediger I Hohelied I

Das Buch Kohelet oder Prediger Salomos

Der Inhalt

Obwohl dieses weisheitliche Buch relativ früh entstanden (4./3. Jahrh. v. Chr.) und in hebräischer Sprache verfasst ist, lassen sich in ihm viele modern anmutende Gedanken finden, die aus der jüdischen Religion heraus allein nicht erklärbar sind. Aus diesem Grund fügten Bearbeiter am Beginn und am Ende des Buches Verse ein (religiöse Klammer), die es wieder ins rechte Licht rücken sollten. Die Zuschreibung der Autorenschaft an König Salomo, der ja für seine Weisheit berühmt ist, verfolgt ebenso das Ziel, in der biblischen Tradition zu stehen.
Das Leitmotiv dieses Buches ist die Vergänglichkeit („alles ist eitel“): Nichts kann man erwerben oder besitzen – nicht einmal das geistige Gut der Weisheit –, da nichts auf Dauer Bestand hat. Jedes menschliche Bemühen ist daher nicht mehr als „ein Haschen nach Windhauch“. In einem vorherbestimmten Kreislauf wiederholt sich alles ununter­brochen („Und es geschieht nichts Neues unter der Sonne.“). Aus dem sinnlosen Abmühen und der Macht­losigkeit des Menschen wird hinsichtlich der Lebensführung ein pragmatisch-resignativer Schluss gezogen: „Ist’s nun nicht besser für den Menschen, daß er esse und trinke und seine Seele guter Dinge sei bei seinen Mühen (Koh 2, 24)?“ Dieser tiefe Pessimismus und Daseins-Skeptizismus ist der Bibel sonst fremd, wie auch die sprachlichen Mittel in diesem Buch (häufiger Gebrauch von Abstrakta, Vermeidung absoluter Aussagen, dialektische Ausdrucksweise) in der Bibel keine Vorläufer haben.

Textbeispiele


Alles ist eitel (Koh 1,2-9)

Es ist alles ganz eitel, sprach der Prediger, es ist alles ganz eitel.
Was hat der Mensch für Gewinn von all seiner Mühe, die er hat unter der Sonne?
Ein Geschlecht vergeht, das andere kommt; die Erde aber bleibt immer bestehen.
Die Sonne geht auf und geht unter und läuft an ihren Ort, daß sie dort wieder aufgehe.
Der Wind geht nach Süden und dreht sich nach Norden und wieder herum an den Ort, wo er anfing.
Alle Wasser laufen ins Meer, doch wird das Meer nicht voller; an den Ort, dahin sie fließen, fließen sie immer wieder.
Alles Reden ist so voll Mühe, daß niemand damit zu Ende kommt. Das Auge sieht sich niemals satt, und das Ohr hört sich niemals satt.
Was geschehen ist, eben das wird hernach sein. Was man getan hat, eben das tut man hernach wieder, und es geschieht nichts Neues unter der Sonne.


Alles hat seine Zeit (Koh 3,1-11)

Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde:

geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit;
pflanzen hat seine Zeit, ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit;
töten hat seine Zeit, heilen hat seine Zeit;
abbrechen hat seine Zeit, bauen hat seine Zeit;
weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit;
klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit;
Steine wegwerfen hat seine Zeit, Steine sammeln hat seine Zeit;
herzen hat seine Zeit, aufhören zu herzen hat seine Zeit;
suchen hat seine Zeit, verlieren hat seine Zeit;
behalten hat seine Zeit, wegwerfen hat seine Zeit;
zerreißen hat seine Zeit, zunähen hat seine Zeit;
schweigen hat seine Zeit, reden hat seine Zeit;
lieben hat seine Zeit, hassen hat seine Zeit;
Streit hat seine Zeit, Friede hat seine Zeit.
Man mühe sich ab, wie man will, so hat man keinen Gewinn davon. Ich sah die Arbeit, die Gott den Menschen gegeben hat, daß sie sich damit plagen. Er hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur daß der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende.


Lob der Zweisamkeit (Koh 4,9-12)

So ist's ja besser zu zweien als allein; denn sie haben guten Lohn für ihre Mühe. Fällt einer von ihnen, so hilft ihm sein Gesell auf. Weh dem, der allein ist, wenn er fällt! Dann ist kein anderer da, der ihm aufhilft. Auch, wenn zwei beieinander liegen, wärmen sie sich; wie kann ein einzelner warm werden? Einer mag überwältigt werden, aber zwei können widerstehen, und und eine dreifache Schnur reißt nicht leicht entzwei.

nach oben