Die Bibel – ein Buch viele Bücher
Fragt man nach bekannten biblischen Geschichten, so werden meist folgende Texte genannt: Adam und Eva, der Turmbau zu Babel, die Moseserzählung, David und Goliat, Jona im Walfischbauch sowie die Weihnachtsgeschichte, die Heilung des Blinden und andere Stationen aus dem Leben Jesu. Schon ein erster Blick auf diese Zusammenstellung von „Geschichten“ zeigt, dass sich die Bibel ganz unterschiedlicher Erzählweisen bedient, um von Gotteserfahrungen zu berichten.
In ältester Zeit offenbarte sich der Gott Israels vor allem durch sein Wirken in der Geschichte: So berichten die ersten Bücher der Bibel nach der Erschaffung der Welt und der Erwählung des Volkes Israel (> 1 Mose), von der Befreiung von der Knechtschaft in Ägypten, von der Wanderung der Israeliten durch die Wüste, dem Bundesschluß am Berg Sinai (> 2-5 Mose), der Eroberung des Landes Kanaan und der Sesshaftwerdung
(> Buch Josua), sowie der inneren Organisation durch die Richter und der Auseinandersetzung mit dem Baalskult (> Buch der Richter). Die folgende Königszeit mit ihren Sonderentwicklungen im Nordreich Israel und Südreich Juda, die auf die Eroberung durch die Assyrer folgende Exilszeit in Babylon, die Rückkehr und Neuorganisation unter Persischer Herrschaft werden in den > Samuel- Büchern, den > Büchern der Könige und
der > Chronik sowie
den > Büchern Esra und Nehemia dargestellt.
Die Herrschaft der Ptolomäer und Seleukiden sowie die Auseinandersetzung mit der sich ausbreitenden griechischen Kultur bildet den Inhalt der griechisch verfassten und in protestantischen Bibelausgaben daher unter den „Spätschriften“ oder „Apokryphen“ zu finden in den > Makkabäerbücher.
Neben diesen Geschichtsbüchern finden sich auch Berichte von außergewöhnlichen Persönlichkeiten, die durch ihr Bekenntnis zu Gott
(> Rut, > Tobias) letzteres Buch gehört wiederum in den Bereich der griechisch verfassten „Spätschriften“ oder „Apokryphen“) und ihr mutiges Auftreten für das Jüdische Volk (> Ester, > Judit – auch Judit gehört zu den „Apokryphen“ oder „Spätschriften“) Großes bewirkten.
Nicht wegzudenken sind natürlich die > Propheten Jesaja, Jeremia, Hesekiel sowie die zwölf kleinen Propheten), die mit kritischen und mahnenden, aber nicht zuletzt auch tröstenden Worten zu den Menschen sprachen.
Einen weiteren großen Block bildet die weisheitliche Literatur, die sich theoretisch oder exemplarisch mit allgemeinen Lebensfragen auseinandersetzt (> Hiob, > Psalmen, > Kohelet (=Prediger Salomos),
> Sprichwörter, > Weisheit Salomos (apokryph), > Jesus Sirach (apokryph). Ein Loblied auf die Liebe in orientalischer Üppigkeit findet man noch im > Hohelied Salomos.
Die sog. „Spätschriften“ oder „Apokryphen“ sind seit der Reformation umstritten, weil sie nicht in der hebräischen Bibel, sondern nur in deren griechischer Übersetzung (Septuaginta) überliefert sind. Ihre Anordnung variiert erheblich von Bibelausgabe zu Bibelausgabe.
So sind in zahlreichen Ausgaben der Lutherbibel und der Gute-Nachricht-Bibel diese Schriften nicht enthalten; in anderen sind sie als „Spätschriften“ oder „Apokryphen“ zwischen dem Alten und dem Neuen Testament eingeordnet. Die Ausgaben der Einheitsübersetzung enthalten diese Bücher immer; das Alte Testament der Einheitsübersetzung folgt in der Anordnung dem griechischen Alten Testament.
Das Neue Testament besteht aus den Beschreibungen des Lebens Jesu der vier Evangelisten > Matthäus, > Markus, > Lukas und > Johannes. Die Geschichte der frühen Kirche mit ihren Hauptpersonen Petrus und Paulus wird in der Apostelgeschichte dargestellt. Es folgen die Briefe, die das Leben in den jungen Christengemeinden beleuchten. Die Offenbarung des Johannes bildet den Abschluss der Bibel.