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Die Bibel hinter Gittern

Gefangenenseelsorger Matthias Geist im Interview.

17 Jahre lang war Matthias Geist evangelischer Gefangenenseelsorger, feierte Gottesdienste in den Wiener Justizanstalten und hörte unzählige Lebensgeschichten. Im Interview spricht der neue Superintendent der evangelischen Diözese A.B. in Wien über besondere Begegnungen im Gefängnis, Herausforderungen seiner Arbeit und über Bibeltexte, die in der Haft Kraft geben.

 

Was bedeutet Gefangenenseelsorge für Sie? 

Matthias Geist: Für mich ist Gefangenenseelsorge ein Angebot zu einer Begegnung auf Augenhöhe. In der evangelischen Tradition hat dieses Angebot zwei Ebenen: Eine Ebene bilden Gemeinschaftsveranstaltungen, wie Gottesdienste, Gesprächskreise oder Bibelrunden. Viel intensiver ist die zweite Ebene: Einzelgespräche, für die, die das wollen. Das sind Menschen, die ich – aufgrund einer Liste – als evangelisch kennenlernen und ihnen einfach sagen möchte: „Ich habe gelesen/gehört, Sie sind evangelisch. Es gibt mich!“ 

Daraus entsteht immer wieder ein längerfristiges Begegnen. Und dieses Begegnen ist losgelöst von einer zweckmäßigen Orientierung. Gerade in diesem engen System, wo alles nur noch darauf aus ist zu beurteilen, zu bestrafen, in eine Ecke zu drängen, ist das für viele Menschen, für Christen sowie Leute, die noch nie etwas von Kirche oder Religion gehört haben, etwas Einzigartiges.

 

Welche Schwierigkeiten erleben Sie bei der Gefangenenseelsorge? 

Derzeit gibt es einen Erlass, der die Verteilung fremdsprachiger Schriften im Gefängnis massiv einschränkt. Dieser zielt zwar nicht auf christliche Literatur, sondern eher auf politische sowie religiös bedenkliche Schriften, trotzdem macht es das Bereitstellen von Bibeln und anderer Literatur, die für die Gefangenenseelsorge wichtig ist, sehr schwierig. 

Es gibt auch andere strukturelle Schwierigkeiten. Beispielsweise, dass bei Gottesdiensten Zeit und Personal fehlt. Ich muss meine Gottesdienste selber organisieren, Listen schreiben, damit die Leute auch wirklich geholt und gebracht werden und sowas. Andererseits bin ich glücklich, dass ich die meisten meiner Gottesdienste vor einer mir bekannten Gemeinde halte, und vor Leuten, die auch widersprechen, hinterfragen, zustimmen und sich daran positiv aufrichten können.

 

  

 

Wir begegnen uns von Mensch zu Mensch und das wirkt ganz stark! Man bekommt einen Einblick in eine Lebensgeschichte und hat auch die Möglichkeit, zu erleben, wie sich Geschichten positiv entwickeln.

  

 

 

Welche Rolle spielt die Bibel in der Gefangenenseelsorge? 

Die Bibel bietet sehr, sehr viele elementare Geschichten und Lebenserfahrungen. Da geht es um Menschen in schwierigen Lebenssituationen, die empfinden, dass ihnen das Wasser bis zum Hals und darüber hinweg steht. Die nicht mehr wegstrampeln können, sondern im wirklichen Sumpf drinnen sind – und sich doch mit dem an Gott richten, wie es ihnen geht, was sie brauchen und was gerade nicht da ist. Im Gefängnis spielen verschiedenste biblische Geschichten eine Rolle und sind sehr präsent.

 

Fragen die Gefangenen Sie manchmal nach einer Bibel? 

Ja, ich bekomme oft Anfragen für Bibeln in der eigenen Sprache, am meisten wünschen sich die Menschen natürlich Altes und Neues Testament. Die Psalmen sind bei Gefangenen besonders beliebt, aber auch die biblischen Grunderfahrungen sind ein wahrlicher Schatz, der die Menschen wirklich aufatmen lässt. Viele bringen die Bibeln dann auch in den Gottesdienst mit. 

Ich möchte mich in diesem Zusammenhang ganz besonders bei der Österreichischen Bibelgesellschaft bedanken, die uns diese Bibeln zur Verfügung stellt! Die Zusammenarbeit war immer sehr segensreich und tut der Sache sehr, sehr gut. Ihre Unterstützung ist für diese Gefangenenseelsorge wirklich ungemein wertvoll und ermöglicht es, dass Menschen in schwierigen Situationen einen Zugang zur Bibel finden. 

 

Das gesamte Interview finden Sie in der aktuellen Ausgabe von "die Bibel aktuell" - dem Magazin der Österreichischen Bibelgesellschaft.

 

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