• banner

Gottes Wort kommt nicht leer zurück

Bibel-Auslegung zu Apostelgeschichte 20,32 von John Chew

 

Und nun befehle ich euch Gott und dem Wort seiner Gnade, der da mächtig ist, euch zu erbauen und zu geben das Erbe mit allen, die geheiligt sind. (Apostelgeschichte 20,32; Luther-Bibel 2017)

Es ist einfach, zu sagen, wann der Apostel Paulus diese bewegenden Worte gesprochen hat. Was diese Worte aber unter völlig anderen und sogar noch schwierigeren Umständen - rund 2000 Jahre, nachdem Paulus sie gesprochen hat - bedeuten würden, wäre völlig außerhalb seiner menschlichen Erwartung gewesen. Wir können nur demütig werden und staunen über das vertrauensvolle Bekenntnis:

Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt, aber das Wort unseres Gottes bleibt ewiglich.... Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der HERR, sondern so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind auch meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken. Denn gleichwie der Regen und Schnee vom Himmel fällt und nicht wieder dahin zurückkehrt, sondern feuchtet die Erde und macht sie fruchtbar und lässt wachsen, dass sie gibt Samen zu säen und Brot zu essen, so soll das Wort, das aus meinem Munde geht, auch sein: Es wird nicht wieder leer zu mir zurückkommen, sondern wird tun, was mir gefällt, und ihm wird gelingen, wozu ich es sende. (Jesaja 40,8; 55,8-11)

 

Gott ist niemals abwesend

In der ganzen Geschichte der Kirche sahen die Zeiten oft trostlos aus. Selbst den mutigsten Herzen schien es, als wäre Gott abwesend und würde ihr Schreien: „Wie lange noch?", „Warum?", nicht hören. Gerade unter solchen, scheinbar aussichtslosen Umständen, hat sich der, dessen Name auch Immanuel ist, niemals als abwesend erwiesen, wenn er auch seine eigenen Wege wählt.

Viele Mitglieder der traditionellen christlichen Kirchen in Asien erinnern sich 2019 dankbar an das hundertjährige Jubiläum der Fertigstellung der hoch geschätzten Chinese Union Version-Bibel. Gottes Zusage, dass sich sein Wort immer wieder behauptet, zeigt sich besonders in China - und das trotz der besonderen gesellschaftlichen Struktur und seiner schwierigen Geschichte.

 

Chinesische Bibel-Übersetzung durch Gottes Handeln

Das unterdrückende internationale Machtgefüge im gespaltenen China führte während der beiden Opium-Kriege zur Öffnung der Qing-Dynastie und zur Ausbeutung und Demütigung von China in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Es war kein Zufall, dass 1823 die Britische und Ausländische Bibelgesellschaft die erste Bibel im klassischen Chinesisch nur in Malakka in Malaysia drucken lassen konnte.

Der Beschluss der zweiten Missionskonferenz 1890 in Shanghai, die Arbeit an drei Bibelübersetzungen fortzusetzen, unter denen sich auch das damals entstehende umgangssprachliche Chinesisch befand, zeigt, wie Gott in aller Stille die Dinge zusammenführt. So ein Projekt schien unmöglich. Wie sollte eine Übersetzung, die alle Volksgruppen, christlichen Konfessionen und theologischen Überzeugungen zufriedenstellt, zustande kommen? Und doch gelang es - ohne jede kirchliche Autorität.

 

Schwierigkeiten bei der Bibelübersetzung

Innerhalb von China braute sich der große Konflikt zwischen denen, die das klassische Chinesisch beibehalten wollten, und denjenigen, die das modernere Chinesisch bevorzugten, zusammen. Es brauchte fast 30 Jahre kontinuierliche Arbeit abseits der Öffentlichkeit, um die Bibel in eine Sprachform zu übersetzen, die einmal eine der Sprachen werden würde, die von der größten Bevölkerungsgruppe und den meisten Christen weltweit gesprochen werden würde.

Am 22. April 1919 wurde die Chinese Union Version-Bibel endlich veröffentlicht, nicht einmal zwei Wochen vor der Bewegung des 4. Mai, mit der das moderne China entstand. Es hätte gar nicht früher passieren können!  

Die Ereignisse und Entwicklungen in China nach dem 4.  Mai, die auf der schicksalshaften Entscheidung der Pariser Friedenskonferenz beruhen, der anschließende Bürgerkrieg innerhalb von China, die zunehmenden Übergriffe von Japan im Nordosten Chinas, die große Depression der 1930er und der daraus resultierende Einfluss auf die Präsenz von Missionaren in China und der Zweite Weltkrieg, führten schließlich zur Einführung der Volksrepublik China 1949 durch den  „Großen Sprung nach vorn" – bis zum Ende der Kulturrevolution im Jahr 1977.

Im Jahr 1986 konnte auf wunderbare Weise die Amity-Bibel-Druckerei in Nanjing eingerichtet werden. Damit konnten endlich Bibeln ganz offiziell innerhalb Chinas gedruckt werden. Allein durch Gottes Gnade und durch sein lebendiges Wort ist es möglich geworden, dass seither 200 Millionen Bibeln in dieser Druckerei gedruckt wurden – davon 86 Millionen Bibeln für China!

 

Zusage aus Jesaja erfüllt sich

Wäre die Chinese Union Version nicht zu jenem Zeitpunkt veröffentlicht worden, hätte es vermutlich sehr lange gedauert, bis so ein Projekt umzusetzen möglich geworden wäre. Doch diese großartige Arbeit bezeugt die Zusage, die Jesaja vor weit mehr als 2000 Jahren gesprochen hat.

Nachdem die Chinese Union Version einmal veröffentlicht war, hat sie in den letzten hundert Jahren behutsam und in ihrer eigenen, erfrischenden Art den großen Durst der gläubigen Menschen in China wie in der Diaspora gestillt. Den chinesischen Kirchen überall auf der Welt wurde die CUV zu treuen Händen anvertraut – für diese und auch für zukünftige Generationen, um sie „zu hören und zu lesen, von ihr zu lernen und ihre Botschaft sich zu Herzen gehen zu lassen".

 


Zum Autor

Dr. John Chew ist emeritierter anglikanischer Erzbischof von Singapur und Südost-Asien. Er lehrte an Theologischen Hochschulen und ist berater der UBS China Partnership.

Übersetzung der Auslegung: Ruth Duschet


 

Schenken Sie Bibeln für China!

Für viele chinesische Christen ist das größte Geschenk, eine eigene Bibel zu besitzen. Doch viele Chinesinnen und Chinesen leben unter der Armutsgrenze und können sich keine eigene Bibel leisten. Mit Ihrer Spende schenken Sie ihnen ihre eigene Bibel! 

Mit jedem Euro finanzieren Sie die Produktion einer Bibel für Chinas Christen! 20€ bewirken zum Beispiel die Produktion von 20 Bibeln für unsere Brüder und Schwestern in China!

 

Jetzt spenden

Österreichische Bibelgesellschaft

Bibelzentrum beim Museumsquartier,

Breite Gasse 4-8/1, 1070 Wien,

Tel: 01/ 523 82 40, Fax: DW 20

Öffnungszeiten des Bibelzentrums: Montag-Freitag 9.30 - 16.00, Donnerstags bis 20.00 Uhr,
(Gruppen jederzeit
nach Vereinbarung)

nach oben

Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich mit dem Einsatz von Cookies einverstanden. Mehr Informationen