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Kohelet: Weg in die Freude

Auf der Suche nach dem wahren Glück und der Motivation für das Handeln.

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"Alles, was deine Hand, solange du Kraft hast, zu tun vorfindet, das tu!" Kohelet 9,10

"Alles, was deine Hand, solange du Kraft hast, zu tun vorfindet, das tu! Denn es gibt weder Tun noch Rechnen noch Können noch Wissen in der Unterwelt, zu der du unterwegs bist." (Kohelet 9,10; Einheitsübersetzung 2017)

Erst im vierten Teil des Buches ringt sich Kohelet (der Prediger) zu dieser Aussage durch. Die scheinbar einfache Aufforderung steht am Ende eines langen Weges auf der Suche nach Glück.

Die Frage, ob und wie der Mensch glücklich werden kann, versucht Kohelet im Selbstexperiment zu beantworten: So strebt er unter anderem danach, durch erfolgversprechendes Handeln glücklich zu werden. Er setzt Großtaten und häuft Besitz an. Doch es führt in Verzweiflung, denn er zieht keinen bleibenden Gewinn daraus. 

Handeln aus geschenkter Freude heraus

Nach weiteren Experimenten und Auseinandersetzungen mit der traditionellen Weisheit, kommt er wieder auf das Thema "Handeln" zu sprechen und kehrt, weise geworden, Ursache und Wirkung um: 

Nicht das Handeln führt zum Glück, sondern erst aus einer gottgeschenkten gelassenen und andauernden Freude heraus entspringt das richtige Handeln: kein Aktionismus, aber auch kein selbstgefälliger Quietismus, der sich dem Leben verweigert. Vielmehr eine Haltung, die ins Handeln führt und sich den Herausforderungen des Lebens stellt.

Ohne von Erfolg oder Misserfolg abhängig zu sein

Der Aufruf, zu handeln, ergeht dabei vor derm Hintergrund einer realistischen Sichtweise der Wirklichkeit. Die Welt ist vergänglich und oftmals undurchschaubar und der Mensch weiß weder, welchen Erfolg sein Handeln haben wird, noch wie lange er überhaupt noch selbstbestimmt wird handeln können.

Gerade aber, weil "alles" vergänglich ist, gerade weil sich ins Totenreich nichts mitnehmen lässt, muss im Hier und Heute gehandelt werden, aus einer Grundhaltung heraus, die es erlaubt, von Erfolg oder Misserfolg unabhängig zu sein.

Kohelet - kein Pessimist

Oft wird gesagt, das Buch Kohelet (Prediger) sei ein pessimistisches Buch. Das sehe ich anders. 

Wohl ist es realistisch und zerstört mit seinem wiederholten Verweis auf die Vergänglichkeit des Irdischen manche Illusion, doch es sieht gerade in der Erkenntnis, dass es keinen Vorteil und keinen bleibenden Gewinn im Leben gibt, den Weg in die Freude.


Dr. Elisabeth Birnbaum ist seit 1.9.2017 neue Direktorin des Österreichischen Katholischen Bibelwerks mit Sitz in Wien. Das KBW ist Beobachter in der Österreichischen Bibelgesellschaft.

Diese Auslegung von Kohelet 9,10 ist in ungekürzter Version in unserem Magazin "die Bibel aktuell" nachzulesen. "Die Bibel aktuell" erscheint vier Mal im Jahr und ist auch online als PDF oder e-flip erhältlich.

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