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Kein Wort für die Satten?

Superintendent Gerold Lehner über die Jahreslosung

 

Seit ich die Jahreslosung für 2018 das erste Mal gelesen habe, beschäftigt mich die Frage, wen dieses Wort, wen dieses Angebot denn erreichen will in unseren Tagen - hier in Österreich und Europa.

 

"Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst." Offenbarung 21,6 (Lutherbibel 2017)

 

Ein Angebot bleibt über - im Überfluss?

Wer dreht sich um nach einem solchen Angebot, wenn die Regale gefüllt sind in einem Überangebot, und wir uns mehr als genug leisten können?

Die größte Herausforderung für Jesus waren nicht die Hungrigen, sondern die Satten und Selbstzufriedenen. Die Kranken haben ihn geliebt, aber die Gesunden wollten nicht hören, dass sie krank sein könnten.

Ist es Zufall, dass Jesus die Armen selig preist, und die da Leid tragen, und die da hungert und dürstet nach Gerechtigkeit?

Haben sie ein anderes Sensorium für das Leben, für seine tiefere Dimension?

Sind sie es, die inmitten dieser Welt des Überflusses einen tiefgreifenden Mangel empfinden?

 

Wasser ist Mangelware

Wer die Geschichten der Bibel aufmerksam liest, der weiß, welche Bedeutung das Wasser, welche Bedeutung eine Quelle, ein Brunnen hat.

 

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Fotos: Hilde Matouschek

 

Wasser ist Mangelware. Ein Zustand, den viele Millionen Menschen auch heute aus bitterer Erfahrung kennen.

Ein Zustand, der sich in vielen Ländern, in denen die Trockenheit zunimmt, stärker bemerkbar macht. Und auf einmal weiß man wieder darum, wie wichtig das Elementare ist und wie sehr wir seiner bedürfen.

Das aber ist ein Problem des (modernen) Menschen: er möchte nicht gerne abhängig sein.

Aber Mensch zu sein, bedeutet anzuerkennen, dass man vom ersten Augenblick an bedürftig ist: man vermag nicht zu leben ohne Nahrung, ohne Trinken, ohne Luft, ohne Licht, ohne Zuwendung und Kontakt und Beziehung.

 

Die fröhliche Bedürftigkeit

„Gottes zu bedürfen, ist des Menschen höchste Vollkommenheit.“ So gegenläufig hat es Sören Kierkegaard zu Papier gebracht.

Und es ist paradox: Der Mensch, der sich seine Bedürftigkeit einzugestehen vermag – er ist der fröhliche Mensch, denn er lebt davon, zu nehmen und zu geben. Er ist Teil des frohen Kreislaufs von Kommunikation (im Sinne von Anteil nehmen und Anteil geben) und Beziehung. Er wird frei, weil er sich zu öffnen vermag.

 


 

 

Dr. Gerold Lehner ist Superintendent der Evangelischen Superintendentur A.B. Oberösterreich und Präsident der Österreichischen Bibelgesellschaft.

Dieser Text ist ein Auszug aus unserem Magazin "die Bibel aktuell".

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