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So kommt die Bibel über Hallstatt nach China

So kommen asiatische Gäste in Hallstadt zum ersten Mal mit der Bibel in Kontakt.

 

Das malerische Hallstatt im Salzkammergut ist Sehnsuchtsort für Gäste aus Asien. Die evangelische Kirche am Seeufer wird für viele zu einer ersten Begegnung mit der Bibel.

Sie ist eine der schönsten Zugstrecken Österreichs, die Fahrt durch das Salzkammergut über Gmunden und Bad Ischl bis Hallstatt. Dementsprechend gefüllt ist die Bahn im Sommer. Die ersten Selfies werden schon beim Aussteigen aus dem Zug gemacht. Weiter geht es auf der Fähre, die bedächtig den tiefblauen Hallstätter See überquert. Touristen drängen zu den Fenstern, um den besten Platz für einen Schnappschuss zu ergattern.

 

Jährlich 1 Million Besucher in Hallstadt

Jahr für Jahr wird Hallstatt bei Reisenden aus Asien beliebter. In der südchinesischen Provinz Guangdong steht ein – allerdings spiegelverkehrter – Nachbau des Dorfes. Viele wollen das Original sehen, das für sie der Inbegriff der österreichischen Kultur ist. 2006 wurde Hallstatt Schauplatz der südkoreanischen Seifenoper „Spring Walz“, Mundpropaganda und Fotos im Internet taten ihr Übriges: Mittlerweile zwängen sich jährlich rund eine Million Besucherinnen und Besucher durch die malerischen Gassen.

Der Weg von der Bootsanlegestelle zum Marktplatz führt an der evangelischen Kirche vorbei. Bis zu 2.000 Personen betreten täglich durch die weit offen stehenden Türen das kühle Kirchengebäude.

 

Mittagsschlaf in der Kirche

Eine junge Frau zündet eine Kerze an, ein älterer Herr hat die Büchlein mit biblischen Losungen in verschiedenen Sprachen entdeckt und blättert darin. Zwei Personen stützen ihren Kopf auf die Kirchenbank und atmen ruhig ein und aus.

Manche werfen nur einen kurzen Blick ins Innere der Kirche, machen ein Foto und ziehen weiter. Einige sind überrascht, hier einen ruhigen Ort zu finden: Denn im chinesischen Hallstatt ist die Kirche ein Restaurant.

Viele verbringen nur ein paar Augenblicke in der Kirche. Der Zeitdruck, den viele Touristen aus Asien bei ihren organisierten Europa-Reisen haben, wird hier spürbar. Nur zwei Stunden sind für den Hallstatt-Besuch vorgesehen, inklusive Mittagessen.

 

Die Kirche in Hallstadt ist ein Ort zum Durchatmen für viele Touristen.

Die Kirche in Hallstadt ist ein Ort zum Durchatmen für viele Touristen.

 

Gemeindemitglieder unter sich

Einige verwinkelte Gassen weiter haben sich die Bewohner Hallstatts im schattigen Pfarrgarten versammelt. Bei Ribiselkuchen, Apfelstrudel und Schokotorte, einem Spritzer und Stubenmusik genießen sie den Sommertag. Zwar werden Gäste freundlich begrüßt, auch auf Englisch, doch ist das Pfarrgartenfest nicht extra in anderen Sprachen beworben worden.

Veranstaltungen nur für die Gemeindemitglieder seien sehr wichtig, betont Pfarrer Dankfried Kirsch. Mit seinem bunten Hemd, das ihm seine Tochter aus Ghana mitgebracht hat, sticht er aus der Menge an Dirndl und Lederhosen hervor. Stolz erzählt er, wie die kleine Gemeinde die Gäste aus den anderen Ländern beispielsweise in den Gottesdiensten willkommen heißt und wie die Hallstätter die verschiedenen Kulturen ins Gemeindeleben integrieren können.

Dennoch sind die Touristenströme für die kleine Gemeinde auch herausfordernd, etwa das Kommen und Gehen bei Gottesdiensten. „Aus diesem Grund versammeln wir uns in einem kleinen Stuhlkreis vorne im Kirchengebäude und halten nur die Seitentür geöffnet. Wir feiern auch Gottesdienste im Pfarrgarten, damit man auch unter sich sein kann. Die Gemeindemitglieder dürfen nicht das Gefühl haben, dass sie alles hergeben müssen, wir müssen unsere eigene Identität bewahren“, sagt er.

 

Hochzeit in Hallstatt

Kirsch ist seit fünf Jahren Pfarrer von Hallstatt-Obertraun und setzt sich dafür ein, dass mit Vorurteilen über die Gäste aus Asien aufgeräumt wird. „Der Irrglaube, dass Chinesen Buddhisten sind, war bei uns sehr verbreitet, bis ich einen Zeitungsartikel darüber geschrieben habe, dass es fast so viele Christen wie Buddhisten in China gibt“, erzählt er. Ihm ist es auch wichtig, zu betonen, dass es nicht nur Gäste aus China, sondern aus dem ganzen asiatischen Raum sind, die ihren Weg nach Hallstatt finden.

Kommen Christen zum Gottesdienst, nehmen sie auch am Abendmahl teil. Er liest die biblische Texte nochmals auf Englisch vor und versucht, sie durch kleine Gesten willkommen zu heißen. Dankfried Kirsch traut außerdem Paare, die eine Trauungsurkunde vorweisen können. Ansonsten segnet er das Paar und wünscht ihnen für die bevorstehende Hochzeit alles Gute. „Die Braut erscheint dann in weiß und ein Fotograf ist auch dabei“, schmunzelt er.

 

Angst vor Bespitzelung

Doch die Angst vor Bespitzelung hält viele Chinesen davon ab, einen Gottesdienst zu besuchen. „Kirchenführung“ klingt neutraler, erklärt Urlauberseelsorger Peter Will. Zwei Drittel derer, die die Hallstätter Pfarrkirche betreten, seien seiner Umfrage zufolge auf der Suche: die eine Hälfte nach Informationen über das Kirchengebäude, die andere nach spirituellen Impulsen. Deshalb erarbeitet er eine digitalisierte Kirchenführung, welche automatisiert und in mehreren Sprachen verfügbar sein soll. „Da gibt es dann beispielsweise um zehn Uhr eine Führung auf Deutsch, um halb elf auf Mandarin und um elf Uhr auf Koreanisch.“

In dieser unterhaltsamen Multimedia-Show erwachen die Statuen des Petrus und Paulus zum Leben, begrüßen die Kirchenbesucher und erklären die wichtigsten Elemente des christlichen Glaubens anhand von Kreuz, Bibel, Orgel, Taufbecken, Abendmahlsgeschirr und anderen Gegenständen, die sich in der Kirche befinden. „Schon früher hat man anhand von Bildern in der Kirche den Glauben erklärt, weil die Menschen nicht lesen konnten. Heute können die meisten zwar lesen, aber haben keine Zeit mehr dafür“, erklärt er. Die digitale Multimedia-Führung soll ab dem kommenden Sommer in Hallstatt Abhilfe schaffen.

 

Einträge ins Gäastebuch der evangelischen Kirche Hallstadt

"Mit einem Eintrag im Gästebuch nehmen die Gäste nicht nur, sondern lassen auch eine Spur von sich selbst da." Dankfried Kirsch, Pfarrer

„Die ersten Bibeln waren im Nu weg“

Für viele Chinesen ist die evangelische Kirche in Hallstatt der erste Kontakt mit dem Christentum. Dass hier erstmals Bibeln aufgelegt wurden, ist Frieda Schmaranzer aus der Nachbargemeinde Goisern zu verdanken. Sie habe ein Buch über die Engländerin Gladys Aylward gelesen, erzählt sie im Gespräch mit „die Bibel aktuell“. Gladys Aylward habe große Anstrengungen unternommen, um als Missionarin nach China gehen zu können.

„Da dachte ich: Wir haben tausende Chinesen jeden Tag vor der Tür, und nutzen es nicht, ihnen die Gute Nachricht mitzugeben“, erklärt Frieda Schmaranzer, warum sie gemeinsam mit dem Bibelkreis Goisern-Obersee-Untersee 50 Neue Testamente auf Chinesisch bei der Bibelgesellschaft bestellte. Die Bibeln lagen zur freien Entnahme in der Kirche auf. „Im Nu sind sie weg gewesen!“, freut sich Frau Schmaranzer.

Auch die Büchlein mit dem Vater-Unser in 40 verschiedenen Sprachen erfreuten sich großer Beliebtheit – und das nicht nur bei den Gästen aus China. „Einmal kamen vier junge Frauen aus Russland in die Hallstätter Kirche. Sie haben sich so gefreut, dass sie das Vater-Unser in ihrer Muttersprache entdeckt haben und nahmen jede ein Büchlein mit“, erzählt Frau Schmaranzer. Die Mesnerin Frau Ursula Pilz kopiert nun das Vater-Unser in einzelnen Sprachen und legt sie in der Kirche auf.

 

Ein Schatz zum Mitnehmen

Der Bedarf an biblischen Texten zum Mitnehmen wäre groß, doch es fehlt an den nötigen Finanzen, erklärt Pfarrer Dankfried Kirsch. „Eine gedruckte Bibel ist für viele ein Schatz, den man einstecken kann – ganz anders als nur am Smartphone“, sagt er. Er überlegt, die Bibeln gegen eine festgesetzte Spende in der Höhe von drei oder vier Euro in der Kirche anzubieten. „Doch wenn es uns gelänge, Hauskreise zu finden oder Gemeinden, die den Bedarf an Bibeln in Hallstatt sehen…“, träumt er.

Mit der untergehenden Sonne wird es ruhiger in Hallstatt. Die Restaurants und Geschäfte leeren sich. Auch rund um die Kirche wird es stiller. Die wenigsten bleiben über Nacht in diesem Paradies, das wie Disneyland anmutet. Es geht weiter: nach Salzburg oder Wien. Doch die Bibeltexte in der Tasche kommen mit.

Ines Schaberger

Österreichische Bibelgesellschaft

Bibelzentrum beim Museumsquartier,

Breite Gasse 4-8/1, 1070 Wien,

Tel: 01/ 523 82 40, Fax: DW 20

Öffnungszeiten des Bibelzentrums: Montag-Freitag 9.30 - 16.00, Donnerstags bis 20.00 Uhr,
(Gruppen jederzeit
nach Vereinbarung)

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