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Jakobusbrief

zur Auswahl

Obwohl er die Form eines Briefes hat, fühlt sich der Jakobusbrief viel mehr wie eine Predigt an. Er kommt als neutestamentliches Buch am ehesten an die alttestamentliche Weisheitstradition heran, da er seine Empfänger wiederholt auffordert, ihr Leben nach der Weisheit zu leben, die von Gott kommt, und nicht nach irdischer Weisheit. Im Herzen des Briefes liegt die Aufforderung, nicht nur auf gute Ratschläge zu hören, sondern sie auch in die Tat umzusetzen.

Zeitaufwand

Vollständige Lesezeit: ca. 16 Minuten
Hast du weniger Zeit? Lies nur 1,1–7; 2,1–17; 3,1–13

Genre

Weisheitsliteratur

Inspirierende Zitate

„Wenn es aber unter euch welche gibt, die nicht wissen, was sie in einem bestimmten Fall tun müssen, sollen sie Gott um Weisheit bitten, und Gott wird sie ihnen geben. Denn er gibt sie allen gerne, ohne ihnen Vorwürfe zu machen.“ (Jakobus 1,5)

„Lauter gute Gaben, nur vollkommene Gaben kommen von oben, von dem Schöpfer der Gestirne. Bei ihm gibt es kein Zu- und Abnehmen des Lichtes und keine Verfinsterung.“ (Jakobus 1,17)

„Nehmt einmal an, bei euch gibt es einen Bruder oder eine Schwester, die nichts anzuziehen haben und hungern müssen. Was nützt es ihnen, wenn dann jemand von euch zu ihnen sagt: »Ich wünsche euch das Beste; ich hoffe, dass ihr euch warm anziehen und satt essen könnt!« –, aber er gibt ihnen nicht, was sie zum Leben brauchen? Genauso ist es auch mit dem Glauben: Wenn er allein bleibt und aus ihm keine Taten hervorgehen, ist er tot.“ (Jakobus 2, 15-17)

„Will jemand unter euch als klug und weise gelten? Dann zeige er das in der ganzen Lebensführung, mit der Bescheidenheit, die den Weisen ansteht!“ (Jakobus 3, 13)

Übersetzung aus Gute Nachricht Bibel

Herausforderung

Martin Luther mochte den Jakobusbrief bekanntlich nicht und nannte ihn „stroherne Epistel“. Einige sehen die Botschaft von Jakobus, die sowohl zum Handeln als auch zum Glauben ermutigt, als grundlegend entgegengesetzt zu dem, was Paulus über die Rechtfertigung allein durch den Glauben sagt. Aber das ist ein Missverständnis. Paulus glaubte zwar an die Rechtfertigung durch den Glauben, aber er erwartete, dass dieser Glaube das Verhalten der Menschen auch verändert. Dem entspricht auch die Botschaft des Jakobus. Aber lies es und bilde dir eine eigene Meinung!

Über den Autor

Der Brief behauptet, von „Jakobus, einem Diener Gottes und des Herrn Jesus Christus“ geschrieben worden zu sein. Die christliche Tradition verbindet diesen Jakobus mit dem Bruder Jesu, der der Leiter der Jerusalemer Gemeinde war. Der jüdische Geschichtsschreiber Flavius Josephus gibt in seiner Geschichte des Judäischen Krieges an, dass Jakobus 62 n. Chr. in Jerusalem den Märtyrertod erlitten habe.
Es gibt natürlich noch andere Personen mit Namen Jakobus im Neuen Testament, aber unter Beachtung des Stellenwerts der Tradition liegt es nahe, dass dieser Jakobus der Leiter der Jerusalemer Gemeinde war.

Was wissen wir über den Autor / die Autoren?

Jakobus wird einige Male im Neuen Testament genannt. Paulus gibt an, dass ihm der auferstandene Jesus erschienen sei (1. Korinther 15,7) und in Galater 2,9 wird er neben Kephas (Petrus) und Johannes, dem Apostel, als eine „Säule“ der Urgemeinde bezeichnet. In Apostelgeschichte 12,17 heißt es, dass er der Leiter der Jerusalemer Gemeinde gewesen sei, und laut Apostelgeschichte 15,6–19 spielte er eine wichtige Rolle bei der Versammlung in Jerusalem, die oft als “Apostelkonzil“ bezeichnet wird. Laut der Apostelgeschichte (ab 21,18) bestand Jakobus darauf, dass sich Paulus im Tempel rituell reinigte, um der Behauptung entgegenzuwirken, er habe sich gegen die Tora aufgelehnt.

Zeitlicher Kontext

Wenn der Brief von diesem Jakobus geschrieben sein sollte, müsste er also ziemlich früh, wohl noch in den 50er Jahren geschrieben worden sein, da Jakobus wohl im Jahr 62 n. Chr. getötet wurde.

Es gibt jedoch auch die Theorie, dass der Brief nicht von Jakobus selbst geschrieben wurde, sondern von Menschen, die Jakobus` Erinnerung treu waren. Der Stil des Briefes deute auf ein viel späteres Datum hin; möglicherweise sogar erst auf das frühe zweite Jahrhundert nach Christus.

Wie fühlten sich die Menschen?

Wie lässt sich der Glaube an Jesus Christus glaubwürdig leben? Der Jakobusbrief bietet viele praktische Antworten auf diese Frage.
Der Brief ist seltsamerweise an „die zwölf Stämme der Zerstreuung“ gerichtet. Die Zerstreuung oder Diaspora ist das Wort, das von Juden verwendet wird, um die Ausbreitung von Juden in andere Länder nach dem Exil zu bezeichnen. Er meint daher wahrscheinlich Juden(christen) auf der ganzen Welt; die Themen, die er dann behandelt, deuten darauf hin , dass er mit jüdischen Anhängern Christi spricht. Wenn es sich um Jakobus, den Leiter der Jerusalemer Gemeinde, handelt, dann würde das Sinn machen, da die meisten Mitglieder der Jerusalemer Urgemeinde Juden waren.

Art des Buches

Jakobus scheint ein Brief zu sein, aber es gibt nur sehr wenige persönliche Details, und er liest sich viel mehr wie eine Predigt, vergleichbar dem Hebräerbrief. Er enthält bodenständige pragmatische Ratschläge, wie man als Christ leben soll. Dies, zusammen mit der Betonung der Weisheit Gottes, legt nahe, dass er sich auf die alttestamentliche Weisheitstradition stützt.

Aufbau des Buches

1,1 Grußworte
1,2-18 Eröffnungsworte vorwiegend über Freude
1,19-27 Hör nicht nur zu, tu es!
2,1-13 Über die Bevorzugung (der Reichen)
2,14-26 Es gibt keinen Glauben ohne Werke
3,1-12 Über die Macht der Zunge
3,13-5,6 Nach Gottes Weisheit leben
5,7-20 Abschied und letzte Ermutigungen

Weiterführend

Wie oben erwähnt, denken viele, dass dieses Buch mit der alttestamentlichen Weisheitstradition verbunden ist. Achte daher beim Lesen auf allgemeine Weisheitslehren sowie auf besondere Weisheitssprüche.
Jakobus verwendet in seinem Schreiben besonders lebendige Bilder. Finde heraus, welche Metapher dein Favorit ist!

Jakobus ist bekannt für seine Betonung auf Umsetzung des Glaubens in die Tat (und für die Tatsache, dass einige Leute denken, dass dies dem widerspricht, was Paulus sagt). Denk beim Lesen darüber nach und reflektiere, zu welchen Schlüssen du kommst!

Bedeutung für mich

Jakobus bietet praktische Ratschläge, wie man in der Welt klug lebt. Überlege, wie wichtig sein Rat heute noch ist.

Diskussionsanregung

- Welche speziellen Abschnitte im Buch gefielen dir sehr bzw. konnten dich besonders inspirieren?
- Welche Teile des Buches missfielen dir oder bereiteten dir Schwierigkeiten?
- Was denkst du: Wovon handelt das Buch?
- Was war deiner Meinung nach der wichtigste Rat, den Jakobus für das christliche Leben gab? Wie könntest du es in deinem Leben in die Praxis umsetzen?
- Jakobus verwendete besonders scharfe Worte über die bevorzugte Behandlung der Reichen bei Versammlungen. Denk an deine eigene Gemeinde - wer wird dort bevorzugt behandelt? Was könnte Jakobus deiner eigenen Kirche sagen?
- Jakobus` Bild, die Zunge zu zügeln, ist besonders kraftvoll und sein Rat ist heute so aktuell wie nie zuvor. Besprich, warum dies so schwer zu befolgen ist und was du möglicherweise tun solltest, um diesen in die Praxis umzusetzen.
- Hast du in dem Buch etwas gelesen, das dich berührt hat, deinen Glauben erweitert hat oder dich dazu gebracht hat, tiefer über dein Leben und die Art, wie du es lebst, nachzudenken?

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